25 Jahre Kunstverein Bayreuth - Verein zur Förderung der bildenden Kunst - Universität Bayreuth e.V.

Auszug aus der Festschrift von 2006

 

 

Winfried Schmidt,
Gründungsmitglied zur Gründungsversammlung am 09.07.1980 und 1 .Vorsitzender bis Ende 1984

Ein Blick zurück

Vor achtzehn Jahren musste ich aus beruf­lichen Gründen die Mitarbeit im Kunst­verein Bayreuth aufgeben. Der Bitte, aus dieser Distanz an die Gründungsjahre zurückzudenken, komme ich trotz späterer persönlicher Enttäuschungen gerne nach.

Die Ausstellungen „Universität Bayreuth - Kunst im Alten Schloss" von Hrdlicka, Weber, Klähn und Straßner mit positiven Reaktionen des Publikums und der Pres­se gaben erste entscheidende Impulse an einen Kunstverein zu denken, ebenso das starke Interesse einer kleinen Grup­pe. Diese bereitete die Gründung vor und wagte schließlich 1980 die Eintra­gung in das Vereinsregister. Die Bilanz der Jahre seither kann sich sehen lassen.

Kontraste fielen vielleicht anfangs eher ins Auge als Kontinuität und mancher moch­te ein klares Programm vermissen. Ein Kunstverein hat nach meinem Verständnis aber u.a. die Pflicht, über die Vielfalt der Moderne und Postmoderne zu informieren, also gewissermaßen mit Kett- und Schuss­fäden den „Teppich" Moderne Kunst zu weben und vorzustellen. Da werden starke Gegensätze bemerkt. Außerdem verlangte auch die Kunst vor Ort ein repräsentatives Forum. Zu Recht brachten Bayreuther Künst­ler eigene Interessen ein. Überblickt man die lange Ausstellungsliste seit der Grün­dung, erscheint in diesem „Gobelin" einfarbiges, lebendiges Bild heutiger Kunst, in dem auch lokale Lichtpunkte nicht fehlen.

Gegenwart lässt sich ohne Geschichte nur unvollständig verstehen. Der Kunstverein tat gut daran, immer wieder auch geschicht­liche Kunst vorzustellen, z. B. mit Ausstel­lungen zur klassischen Moderne, etwa zur Grafik des Expressionismus. Diese Rück­blicke gaben und geben eine Hintergrund­farbe, auf der aktuelle Kunstäußerungen leuchten oder vielleicht auch einmal matt erscheinen. Beide Folgerungen erschei­nen mir als Gewinn oder Risiko notwendig.

Die Phase der Gründung und der ersten Jahre wurde vor allem von einer persönli­chen Begeisterung für die Bildende Kunst getragen, verbunden mit dem Wunsch., sie einem breiten Publikum vermitteln zu können. Einige Bedenken hinsichtlich ökonomischer oder arbeitstechnischer Belastungen verblassten bald. Die Begeis­terung hat über viele Schwierigkeiten hinweggetragen, vorstellbar, dass sie auch heute noch den Verein am Leben hält, wenn auch möglicherweise noch mehr als vor 25 Jahren durch Sparzwänge gedämpft.

Alle Verantwortlichen haben sich persön­lich gut verstanden. Die Arbeit an den Aus­stellungen nahm viel Zeit in Anspruch, für Querelen blieb kaum Zeit. Wir alle mussten lernen, wie ein Verein demokratisch zu füh­ren war, welche Möglichkeiten in welchem Rahmen sich bei bescheidenem Etat boten, welche handwerklichen Vorgänge vom Transport der Werke bis zur Hängung, von der Versicherung bis zu ihrem Abschluss, von der Organisation der Eröffnung mit Pressemitteilung, Einladungskarten und Plakaten bis zu Führungen und schließlich dem Abbau usw. bewältigt werden mussten.

Im Vorstand haben wir zunächst versucht, alle an allen Arbeiten zu beteiligen. Es stellten sich aber sehr schnell Speziali­sierungen heraus. Einer organisierte gut, ein Anderer hatte einen sicheren Blick bei der Hängung, wieder ein Anderer zeichnete sich als Verpackungskünstler aus. Dennoch waren alle mit einer Check­liste versehen, sodass beim Aufbau, bei Eröffnungen und beim Abbau eigentlich nichts vergessen werden konnte. Insge­samt ein Prozess der Professionalisierung.

Ausgiebig und schließlich ergiebig wur­den ein Programm und damit das Profil des Vereins diskutiert. Es kristallisierten sich einige Ausstellungstypen heraus, die, soweit zu sehen ist, bis heute im Wesent­lichen beibehalten wurden, also etwa die Jahresausstellungen in der Eremitage, die Kunstszene Bayreuth, Junge Kunst, gele­gentlich auch Gruppen von Kunsthoch­schulen usw. Schwierigkeiten zeichneten sich immer dann ab, wenn bei Entschei­dungen etwa über auszustellende Künstler persönliche oder gar private Interessen zu sehr eine Rolle spielten. Das ist kaum zu vermeiden, führt aber auch unweiger­lich zu Kränkungen und Verletzungen, die in der Häufung die Vorstandsmitglieder auseinander bringen können. Zum Lern-prozess einer Professionalisierung gehört also auch, eine mittlere Bahn zwischen notwendigem persönlichen und privaten Engagement und den Vereinsinteressen zu finden. Das ist kein leichter Weg, besonders wenn sich beides vermischt, und verlangt ein hohes Maß an Kompromissfähigkeit. Allerdings: Nicht alles erscheint verhan­delbar, bei Kompromissen gibt es Grenzen.

Ausstellungen verlangen eigene Orte. Vor einigen Jahren hat der Verein ein beschei­denes Domizil im Alten Rathaus bezogen, das Kabinett. Früher träumten wir von einem eigenen Haus, aber offenbar hat die zunehmende Geldknappheit diesen Traum zerrinnen lassen. Schade, denn ein Haus bedeutet einen notwendigen Ort des Lebens, wohl den wichtigsten. Das gilt für das tägliche Leben, aber erst recht für die Kultur. Sie bildet und kristallisiert sich immer wieder auch an Orten in Häusern. Deshalb sollte der Traum erinnert werden, mag er noch so utopisch erscheinen. Mit der Utopie kann die Zukunft verloren ge­hen. Eine Ausstellung sehe ich als ein Fest und ein Fest braucht einen entsprechenden Ort, wie ihn etwa die Eremitage bietet.

Wenn ich aus der Distanz von 25 Jahren auf die insgesamt geleistete Arbeit zurück­blicke, freue ich mich, dass eine kleine Gruppe von Kunstbegeisterten den Mut hatte, die Gründung des Vereins zu wagen. Die Arbeit forderte hohen persönlichen Aufwand an Zeit und gelegentlich auch Nervenkraft. Das jeweilige Engagement trug über viele Probleme hinweg. In den Jahren sind mit dem Wachsen an Sachver­stand, selbst bei wechselnden Vorständen, Voraussetzungen für weitere Aufgaben geschaffen worden. Die Arbeit erschöpft sicherlich, wird aber auch durch ein Ge­schenk aufgewogen: die Kraft und Schön­heit der Kunst im Fest ihrer Ausstellung.

Prof. Dr. Winfried Schmidt


Hellmut Albrecht,
1. Vorsitzender
von Ende 1984 bis 19.11.1990

„Als Gründungsmitglied, langjähriger erster und zweiter Vorsitzender, Beisit­zer und Ehrenmitglied erinnere ich mich gerne an Umstände und Personen der ersten Jahre. Toll war damals der Auf­wind in Bayreuth, auch in Verbindung mit der neu gegründeten Universität.

Hilfreich zur Seite standen uns der Grün­dungspräsident der UBT, Dr. Klaus-Dieter Wolff, die Oberbürgermeister Hans Walter Wild und Dr. Dieter Mronz, der Stadtrat, der Unternehmer Werner Zapf, Herbert Michel von der Schlösserverwaltung, Notar Schmidt als Verfasser der Satzung. Dazu viele Künst­ler mit Ausstellung und Jahresgabe, z.B. Günther Uecker, Erich Hauser, Horst Antes, H-J. Breuste, Hanns Herpich, Architekt BDA Franz Kiessling in Vertretung des verstor­benen Hans Döllgast u.a.m. Ihnen danke ich ebenso wie den Mitgliedern des Vorstan­des. Besonders erwähnen möchte ich die leise, hochmotivierte und gute Mitarbeit von Karl Strömsdörfer und Ekkehard Beck.

Beim Erwerb des Caspar-Walter-Rauh-Nachlasses durch die Oberfrankenstiftung unter Präsident Winkler und bei den ersten wichtigen Kontakten zwischen Bayreuth und Dr. Helmut Meyer mit dem Ziel seiner Kunst-Stiftung an die Stadt konnten wir hilfreich sein. Beides war die notwendige Vorausset­zung für das Museum im Alten Rathaus und nach der Universitätsgründung der zweite Quantensprung bei der Entwicklung un­serer Stadt am Ende des 20. Jahrhunderts.

Meine besten Wünsche begleiten den Kunstverein in die nächsten Jahre."

Einen guten Gruß!

Hellmut Albrecht


Johann Schuierer,
1. Vorsitzender
vom 19.11.1990 bis 13.11.1996

Schöne Erinnerungen an die Arbeit im Kunstverein Bayreuth

Ein Gespräch mit Günther Uecker am Beginn der 80er Jahre hatte das Signal gesetzt und Mut gemacht: Unser kleiner Kunstverein hat sehr wohl Möglichkeiten, mit international angesehenen Künstlern Ausstellungsprojekte zu realisieren. Daraus entstand die wunderbare Ausstellung mit Günther Uecker im Alten Schloss während der Festspielzeit 1987. Eine Lithographie „Lohengrin" hat er eigens für den Kunst­verein Bayreuth in St. Gallen gefertigt und Uecker selbst hat auch das Risiko für die Präsentation von Originalen im nicht zu ver­sichernden Eingangsraum übernommen.

Damit war der Grundstein für die in den kommenden Jahren in Bayreuth präsentier­ten Ausstellungen mit Werken von Antoni Tàpies, Lothar Fischer, Karl Hubbuch, Ernst Ludwig Kirchner, oder Eduardo Chillida gelegt. Alleine der Gedanke an die ver­sicherungstechnische Abwicklung dieser Projekte lässt einen bis heute erschauern aber auch gleichzeitig durch die Kom­plimente wieder beruhigen, die man von anwesenden Gästen aus den Ausstellungs­metropolen erhalten hat. Wegen zeitweili­ger Lücken im Angebot der benachbarten Großstadt, konnte der Kunstverein sogar Stammgäste aus deren Mauern gewinnen. Mit Stolz hat man in der Stadt die Tatsa­che registriert, dass zum ersten Mal im Ausstellungsteil der größten deutschen Kunstzeitschrift „Bayreuth" (auch wenn nur die alphabetische Reihenfolge dafür maß­geblich war) zwischen den beiden Städ­ten „Basel" und „Berlin" genannt wurde.

Die Zeit, in der manche Vernissage mit dem sehnsuchtsvollen Blick zur Eingangs­tür stattfand, war damit überwunden, die Position des Vereins in Bayreuth gestärkt.

Um seine Existenz für künftige Zeiten zu belegen, bedurfte es nicht weniger großer Anstrengungen des Vorstandes: Wenn über­haupt möglich, dann sollte jede Ausstellung mit einem Katalog begleitet werden. Mit Be­ginn der 90er Jahre wurde dieses Ziel um­gesetzt und verfolgt, auch wenn ein großer Teil der Elaborate in Bayreuth selbst kaum verkäuflich war. Zum Trost: Zumindest in der Universitätsbibliothek sind sie heute auszu­leihen. Als Jan Hoet als zukünftiger Leiter der „documenta IX" in Kassel noch wenig bekannt war, konnte er als Autor für einen Beitrag im Katalog „Antoni Tàpies" gewon­nen werden und damit war die überregio­nale Nachfrage gesichert. Für die „Fundació Antoni Tàpies" in Barcelona gab es noch Belegexemplare, aber die Anfrage einer großen Kunstbuchhandlung in Köln konn­te schließlich nicht mehr erfüllt werden.

So wie in diesem Fall mussten häufig auch Kooperationen mit anderen Institutionen eingegangen werden, um diese umfas­sende Reihe von Publikationen zu ver­wirklichen: Werner Froemel, Barbara Grö-ne-Trux, Friedrich Gröne, Leni Hoffmann, Manuel Franke, Eduardo Chillida, Kunst Eu­ropa, Deutsche Gruppe Textilkunst, Caspar Walter Rauh, 15 Jahre Kunstverein Bayreuth, Rosalie, Bernd Rummert und Bayreuther Kunstausstellungen in der Eremitage.

Um verantwortlich den enorm gestiegenen Aufwand bewältigen zu können, war es nötig, mit Hilfe der Vereinsmitglieder ein Domizil zu suchen und eine Geschäftsführung einzu­richten. Für viele Jahre nutzte der Kunstver­ein das Domizil bis zur Übersiedlung in das Alte Rathaus in der Richard-Wagner-Straße gegenüber der Villa Wahnfried. Dort wurde mit Hilfe von Sponsoren ein Büro eingerich­tet, die „Kabinett-Ausstellungen" ins Leben gerufen, eine Videothek zu Verfügung ge­stellt und für die Dauer eines Jahres auch eine eigene Geschäftsführung installiert. Viele Mitglieder haben die Faschingsfeste in diesen Räumen sehr spannungsvoll ge­staltet. Diese Ereignisse hatten aber bereits einen wenig beachteten Vorläufer in der Ausstellungshalle des Neuen Rathauses: „Das rote Fest". An diesem Abend war auch

am Schriftzug „Rathaus" über dem Eingang der erste Vokal „a" durch ein „o" ersetzt. Wenn sich das herumgesprochen hätte...

Die immer wieder geäußerten Beden­ken, dass bei all diesen Aktivitäten die einheimischen Künstler nicht genügend berücksichtigt werden würden, haben sich schließlich in Wohlgefallen aufgelöst. Überflüssig, aber dennoch für einen Rück­blick wichtig ist also die Nennung der Na­men: Werner Froemel, Caspar Walter Rauh, RolandSchön,BarbaraGröne-Trux,Friedrich Gröne, Fritz Föttinger, Horst Böhm, Elfriede Meyer, Robert Siebenhaar, Bernd Roman-kiewitz, Raimund Fraas, Friedrich Böhme.

Das heute nicht mehr zur Verfügung ste­hende „Alte Schloss" oder das zeitwei­se genutzte „Casino im Festspielpark" hatten als Ausstellungslokale ihren ganz besonderen Reiz, weil sie besonders bei der Gestaltung der Ausstellung durch die Künstler selbst zu begeisternden und solitären Lösungen führten. Zu denken ist vor allem an Leni Hoffmann, Hannes Arnold, Roland Schön, Bernd Rummert, Michael Wesely, Wulf Kirschner, Lore Bert, Lothar Fischer und auch Günther Uecker.

Und so bleiben sie letztendlich doch ein­deutig und klar, die schönen Erinnerungen.

Johann Schuierer


 

Felix Böcker,
1. Vorsitzender
vom 13.11.1996 bis 31.12.1997

Dem Drängen mehrerer Mitglieder des Kunstvereins Bayreuth im Herbst 1996 bei der Vorstandswahl für die Wahlperiode 1997-1999 als Vorsitzender zu kandidieren, habe ich nach langem Überlegen nachge­geben. Ich wurde gewählt, am 1. Januar 1997 trat ich das Amt an, gab es aber schon zum Jahresende 1997 wieder zurück. Das Jahres­programm 1997 lag zu meinem Amtsantritt im Wesentlichen vor, meine Ideen zu den Programmen der folgenden Jahre fanden im Vorstand keine begeisterte Zustimmung. Halbherzig wollte ich nicht weiter arbeiten.

In 1997 konnten mehrere Ausstellungen bedeutender Künstler gezeigt werden, ich nenne als ersten Friedrich Böhme, der viele Jahre in Bayreuth als Maler gelebt hat. Zahlreiche seiner Arbeiten befin­den sich in Bayreuther Privatbesitz, sie wurden zur Verfügung gestellt, so dass eine schöne, wenn auch nicht vollständi­ge, Retrospektive gezeigt werden konnte. Gerhard Riesbeck, Meisterschüler von Professor Werner Knaupp (Nürnberg), beeindruckte mit stilisierten großen Landschaften und wehenden Fahnen.

An zwei Orten konnten zur Zeit der Bay­reuther Festspiele Arbeiten des Berliner Malers Hans-Hendrik Grimling im Neuen Rathaus und des Münchener Künstlers Herbert Achternbusch im Alten Schloss präsentiert werden; jede eine herausragen­de Schau, parallel dazu fand die jährliche Kunstausstellung in der Bayreuther Eremi­tage statt. Mit seinen Holzplastiken rundete der Nürnberger Bildhauer Joseph Wurmer die Ausstellungsreihe 1997 ab. Stets haben Sponsoren zur Realisierung beigetragen.

Eine Anmerkung: Am Ort lebende Künst­ler sind auch in einem Kunstverein als Mitglieder willkommen, sie sollten aber keine Funktionen übernehmen und so vermeiden in Interessenskonflikte zu ge­raten. Juroren sind immer dann befangen, wenn sie über eigene Arbeiten in einer Jury urteilen sollen und eine Auswahl tref­fen müssen. Diese Regeln wurden damals im Bayreuther Kunstverein nicht beachtet.

Prof. Dr. Felix Böcker

Ekkehard Beck,
1. Vorsitzender (kommissarisch)
vom 01.01.1998 bis 16.03.1998, Gründungsmitglied

Ankunft in Bayreuth X/1978: Win­ter, Regen, Kälte, Schnee, Tristesse. Gott sei Dank: Architektur für die Uni, Kunst am Bau, Bilder, Skulpturen, Diskussionen um Ästhetik, schöne Fassaden und Kunst (kost­spielig, nutzlos, zwecklos). In der Stadt Kunst Fehlanzeige. Die Stadt sonnt sich in Wagner. Unermüdliche Versuche der „Freien Grup­pe" (Eremitage). Bildende Kunst als Priva­tangelegenheit der Künstler; die Kommune, die Bürger ohne eigenes Engagement. Man lässt sich Kunst zeigen, Kunst ist kein Teil des aktiven bürgerlichen Kulturlebens.

Dem Neuling in Bayreuth fehlt etwas und anderen Neulingen geht es ebenso. Nur un­wissende Neulinge wagen in Bayreuth solch eine Gründung. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt. Aber: Die Idee fällt auf fruchtba­ren, wenn auch steinigen Boden: nicht mehr nur Künstler kümmern sich um die Förde­rung von Kunst, sondern auch Kunstfreunde; die Kunst wird von der Privatsphäre zur öf­fentlichen Angelegenheit „erhoben". Was auf dem Sektor Musik als normal empfun­den wird, vollzieht sich auch bei der bilden­den Kunst. Die Kommunalpolitik erkennt da­rin eine Chance, beäugt die Neulinge aber argwöhnisch: die Kunst, die jetzt angeboten wird, kommt von außen, von weither - und sie eckt an. Vorher hatte man „nur" Ärger mit einzelnen Persönlichkeiten als Künstler wegen derer „privater" Interessen. Jetzt hat man Probleme mit der Kunst: „politische" Kunst z.B. von Jürgen Breuste (Installation im Neuen Rathaus u. a. mit alten Militär­stiefeln) oder „Verbrennungsbilder" von Werner Knaupp nach dessen Erlebnissen in Kalkutta. Ist das denn Kunst? Sollen wir so was im Rathaus zeigen? Die Mitgliederzahl des Kunstvereins aber wächst - zwar lang­sam, aber stetig. Die Gründerversammlung in der „Notmensa" der Universität setzt sich um in eine Bürgerbewegung hin zu mehr Kunst, Ästhetik in der Stadt, in der Öffentlichkeit, in der Bürgerschaft. Das

Kunstmuseum Bayreuth und die Skulpturen­meile sind erfreuliche „Spätfolgen" einer Gründungstat, die vor über 25 Jahren von den Kunstliebhabern Bayreuths freundlich und beherzt aufgegriffen worden ist; Kunst ist so zur öffentlichen Sache geworden.

Motto im Schiller-Jahr 2005: „Die Natur gibt uns nur Dasein; das Leben gibt uns die Kunst und Vollendung die Weisheit"

Friedrich Schiller

Weiter auf diesem Wege!

Dr. Ekkehard Beck


 

Horst Grüner,
1. Vorsitzender
vom 16.03.1998 bis 01.03.2000

„Im Jahre 1998 habe ich den Verein vom Vorgänger Prof. Dr. Böcker übernom­men. Das Domizil befand sich damals noch in der Richard-Wagner-Strasse 53, in dem die Ämtsgeschäfte mit einem vom Arbeitsamt unterstützten Absolventen, Herrn Niclauss, abgewickelt wurden. Zum seinerzeitigen Vorstand gehörte als 2. Vorsitzender Peter J. Osswald, der Schrift­führer Dr. Eckehard Beck und der Schatz­meister Wolfgang Ramming. Ergänzend standen dem erweiterten Vorstand die Mitglieder Hellmut Albrecht, Dr. Hans­peter Bittner und Brigitte Jäger zur Seite.

In diese Amtszeit fiel eine Reihe von ge­wichtigen Ereignissen, die auch noch heute für den Verein Bedeutung haben. Zunächst erfolgte die Verlegung des Domizils von der Richard-Wagner-Strasse in die neuen Räume des Kunstmuseums in der Maxi­milianstrasse. Diese wurden von der Stadt Bayreuth dem Kunstverein im 1. Stock des ehemaligen Alten Rathauses zur Verfügung gestellt und können als seine dauernde Präsenz im Kulturleben der Stadt auch für kleinere Ausstellungen genutzt werden.

Neben den üblichen jährlich stattfindenden Kunstausstellungen (Bayreuther Kunstszene und Eremitage) sind neue Impulse durch die Idee einer „Skulpturenmeile" geschaf­fen worden. So gelang es, zur Finanzierung dieses ehrgeizigen Projektes die jährlich stattfindende „Gala der Köche" mit dem Erlös aus dieser Veranstaltung zu gewin­nen. Wenngleich auch die Weiterführung dieses Projektes durch die Gründung eines eigenen Vereins unter maßgeblicher Betei­ligung des Kunstmuseums der Stadt erfolg­te, so war es doch der damalige Vorstand des Kunstvereins, der diese Idee initiierte und bereits mit ausgewählten Künstlern Verbindung aufnahm (u.a. „Stadttore" von Pyryga oder die Münchener „Ringplastik" von Staccoli) und Vorschläge mit einer Lis­te von möglichen Künstlern unterbreitete.

Neben weiteren Ausstellungen namhafter Künstler (Horst Antes, Norbert Kleinlein, Angelika Summa) wurde zum ersten Mal auch ein Bühnenbildner der Richard-Wag­ner-Festspiele, nämlich Erich Wonder, für eine Ausstellung seiner Bildumsetzungen zum „Ring des Nibelungen", gewonnen.

Schließlich konnte auch ein Besuch des neuen Guggenheim-Museums in Bilbao / Spanien, das durch seine spektakuläre Ar­chitektur und bedeutende Ausstellungen international berühmt wurde, im Jahre 1999 mit relativ großer Beteiligung von Mitglie­dern erfolgreich durchgeführt werden."

Horst Grüner


 

Peter J. Osswald,
1. Vorsitzender
vom 01.03.2000 bis 04.04.2003

„Immer zwischen den Stühlen..." - eine häufig gehörte Positionsbeschreibung für Kunstvereine: aber was sollen uns Allge­meinplätze? Kunstvereine sind Individuen äußerst unterschiedlicher Prägung, ab­hängig von ihrer eigenen Entwicklungsge­schichte sowie den lokalen Voraussetzun­gen. Zur Jahrtausendwende, zeitlich rein zufällig, ergaben sich Wandlungen im hie­sigen Umfeld. Mit der CampusGalerie und dem Kunstmuseum traten zwei finanziell und personell gut ausgestattete Anbieter in der Bayreuther Kulturszene an, wobei das letzte­re zugleich den Kunstverein seiner Rolle als primärer Ansprechpartner der Stadt Bay­reuth in Angelegenheiten bildender Kunst enthob. Als allgemeine Entwicklung war zudem ein Wegfall privatwirtschaftlichen Sponsorings zu verzeichnen. Was blieb, war der durchaus stattliche freiwillige Jahres-zuschuss der Stadt, was hinzu kam, war die mietfreie Überlassung zweier Geschäfts­räume im Kunstzentrum Altes Rathaus.

Eine neue Standortbesinnung des Kunst­vereins war unumgänglich, und zwar auch struktureller Art. Nach den gescheiterten Versuchen einer Professionalisierung wur­de die Rückkehr zu einer tragfähigen eh­renamtlichen Basis zum zwingenden Ziel. Visionen haben ihre Qualität und Berech­tigung, aber die Kunst der Führung eines Kunstvereins ist stets auch eine Kunst des Machbaren. Konzentration auf die Kernauf­gaben hieß das Gebot der Stunde und der Satzung. Ein monatelang ungenutzter Büro­wurde zum Ausstellungsraum umgerüstet und innerhalb weniger Wochen begann die Reihe der Kabinettausstellungen im zweimonatigen Turnus. Für die Starthilfe bin ich dem engeren Vorstand samt einiger weniger zusätzlicher Helfer ebenso dank­bar wie den Künstlerinnen und Künstlern, die diesen Beginn erst ermöglicht haben. Anspruchsvoll gestaltete Matineen im Historischen Sitzungssaal sicherten den Er­öffnungen jeweils ein stattliches Publikum.

Es folgten flankierende Maßnahmen, die hier nur kurz angeführt werden können. Die intensive Werbung neuer Mitglieder - hier habe ich vor allem meiner Frau für ihr En­gagement zu danken - erbrachte nicht nur finanziellen Zuwachs, sondern auch Gewinn an gesellschaftlicher Verankerung durch den Beitritt wichtiger Multiplikatoren. Die Auslagerung der „Skulpturenmeile" in einen gesondert zu gründenden Förder­kreis ersparte kostbare Manpower. Die Neuentwicklung der Drucksachen führte zu einem konsequenten Außenauftritt. Insbesondere wurde dies bei der traditi­onellen „Eremitage"-Ausstellung im Fest­spielsommer 2000 augenfällig, bei der es die Trias „50. Bayreuther Kunstausstellung - 30 Jahre "Eremitage" - 20 Jahre Kunstver­ein Bayreuth" zu feiern galt und zu der nach zweijähriger Vakanz wieder ein Katalog erschien, erstmals mit Farbabbildungen.

Die alljährliche Sommerausstellung steht nach wie vor noch in der Tradition der Bay­reuther Nachkriegsmaler, die sich in der „Freien Gruppe" formierten. Mit einer klei­nen Sonderausstellung wurde dieser Grün­dergeneration gedacht. Aus der gleichen Wurzel resultiert auch der obligatorische Besuch der jeweiligen „documenta"-Aus-stellung in Kassel durch den Kunstverein. Schon die „documenta 1" wurde von den Bayreuther Künstlern 1955 per Zug be­sucht. Bei meinem Exkursionsangebot habe ich stets versucht, mit einem ausgearbeite­ten Programm über den Tellerrand fanta­sielosen Transfers hinauszuschauen - ein Beispiel nur: Im Jahr 2001 die Fahrten nach Nordfranken und Ingolstadt mit dem Schwer­punkt „Konkrete Kunst/Eugen Gomringer".

Fortgesetzt wurden die regelmäßigen Präsentationen in der Ausstellungshalle des Neuen Rathauses inklusive der alle zwei Jahre stattfindenden „Kunstszene Bayreuth". Auf das Ausstellungsprogramm insgesamt näher einzugehen, ist hier nicht der Raum. Es wurde jeweils einvernehm­lich vom Gesamtvorstand beschlossen und umfasste Künstlerinnen und Künstler aus der Region und darüber hinaus, sowie über Generationen und Stile hinweg, auch nach den Möglichkeiten der Reali­sierung. Nach 30 Ausstellungen und fünf Exkursionen innerhalb dreier Jahre mit ausgeglichenen Finanzen reifte bei mir die Ansicht, dass die von mir angestrebte Konsolidierung gelungen und vollendet sei.

Nachdem dergestalt „das Haus wohlbe­stellt" schien, war es angebracht, den Generationssprung zu wagen. Glückli­cherweise gelang es mir, einen bis dato (in Bayreuth) kaum bekannten, jungen Quer­einsteiger zu entdecken und seine Wahl zu meinem Nachfolger durchzusetzen. Dr. Thomas Wollheim entwickelte den entspre­chenden Ehrgeiz und es erfüllt mich mit Be­friedigung, dass, von geringen Modifikatio­nen abgesehen, bis heute nach der von mir erarbeiten Programmstruktur gearbeitet wird, ebenso wie die Gestaltung der Druck­sachen bis in typographische Einzelheiten übernommen wurde. In diesem Sinne wün­sche ich als Ehrenmitglied dem Kunstver­ein Bayreuth e.V. ein gutes Bestehen und das seinen Unternehmungen gebührende Interesse eines geneigten Kulturpublikums.

Peter J. Osswald


 

Thomas Wollheim
1. Vorsitzender

vom 04.04.2003 bis 2006

25 Jahre Bayreuther Kunstverein

Ein Blick zurück - aber auch nach vorn

Vor nunmehr 25 Jahren hatte eine kleine Schar von Kunstbegeisterten die Initiative ergriffen: Der Kunstverein Bayreuth wurde gegründet.

Die Förderung und Vermittlung von Bildender Kunst ist auch heute - wie damals vor 25 Jahren - in der Wagnerstadt Bayreuth kein leichtes Unterfangen. Doch es gibt sie auch heute noch, die von Begeisterung getrieben persönliche Opfer bringen und mit ihrem Engagement die Kulturlandschaft in und um Bayreuth bereichern - Sie alle verbindet das Interesse an der Bildenden Kunst. Diesem Antrieb ist es auch zu verdanken, dass alle meine Vorgänger bereit waren, einen Beitrag zu dieser Festschrift zu liefern, denn es soll um die Sache gehen: die Bildende Kunst. Der aktuelle Vorstand sieht sich diesem Ziel verpflichtet und bietet in seinem Programm neben den bekannten Bayreuther und regional verankerten Künstlern immer wieder jungen, ambitionierten Künstlern ein Forum. Letztes Jahr konnten wir beispielsweise den Hamburger Maler Christian Hahn mit „Vergnügungsstätte" oder Margarete Schrüfer aus Nürnberg präsentieren. Neue Medien, wie Video oder Fotographie in der aktuellen Ausstellung „Zeitzone" von Frank Müller, haben in das Kabinett des Kunstvereins im Alten Rathaus Einzug gehalten.

Trotz der bescheidenen finanziellen Mittel gelingt es dem Kunstverein immer wieder international angesehene Künstler für Ausstellungsprojekte in Bayreuth zu gewinnen und eine Diskussion über Kunst in der Bevölkerung anzustoßen, z.B. mit dem zukünftigen Präsidenten der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste, Prof. Ottmar Hörl, mit dem Großprojekt „Wagner für das 21. Jahrhundert" im öffentlichen Raum oder den Documenta-und Biennaleteilnehmer Felix Droese mit „die Art, wie er .......... gestaltet hat, ist für uns ...nicht annehmbar". Dem Einsatz der ehrenamtlichen Mitstreiter ist es zu verdanken, dass der Kunstverein neben den finanzstarken Institutionen CampusGalerie und Kunstmuseum bestehen und ein hochwertiges Programm bieten kann.

Ein hoher Anspruch - wir werden gemeinsam Alles tun, um ihm weiterhin gerecht zu werden.

Ihr Dr. Thomas Wollheim

 

Werner Geister
1. Vorsitzender

vom 2007 bis 2009